Carola Fabian-Schneider im Gespräch
1. Frau Fabian-Schneider, Sie betreuen als Studienleiterin der Hamburger Akademie für Fernstudien viele Teilnehmerinnen des Lehrgangs „Kindererziehung“. Was genau ist Ihre Aufgabe dabei?
Carola Fabian-Schneider: „Meine Hauptaufgabe ist es, die Einsendeaufgaben der Lehrgangsteilnehmerinnen zu korrigieren und ihnen ein regelmäßiges Feedback über ihre persönlichen Lernerfolge zu geben. Als Studienleiterin betreue ich die Lehrgangsteilnehmerinnen in allen fachlichen Fragen, die – und das liegt in der Natur der Sache – beim Thema Kindererziehung eben auch oft persönliche Fragen sind.“
2. Sind Sie oder waren Sie auch selbst pädagogisch tätig? Wie ist Ihr Hintergrund bzw. worin besteht Ihr Interesse am Thema „Kindererziehung“?
Carola Fabian-Schneider: „Von meiner Ausbildung her bin ich Diplom-Psychologin. Das Interesse für den Menschen hat natürlich meine Berufswahl bestimmt. Und Kinder sind ganz besondere Menschen. Sie sind unsere Zukunft – auch deshalb sollten Eltern wissen, was sie gerade tun oder unterlassen, wenn sie Kinder erziehen. Praktisch habe ich lange Zeit mit seh- und lernbehinderten Kindern und Jugendlichen gearbeitet. Ein Schwerpunkt meiner Tätigkeit hierbei war unter anderem auch die beratende Elternarbeit. Ich habe Eltern- und Erziehertrainings konzipiert und durchgeführt. An der Entwicklung des Fernlehrgangs Kindererziehung war ich ebenfalls wesentlich beteiligt. Erst vor kurzem habe ich eine Aktualisierung und Überarbeitung des Fernlehrgangs vorgenommen. Heute arbeite ich in einer psychotherapeutischen Praxis und erziehe die Kinder meiner Patienten/innen – aus dem Hintergrund heraus – mit. Mein Interesse am Thema „Kindererziehung“ ist aber nicht ausschließlich professioneller Natur. Ich habe selbst eine Tochter und seit zwei Jahren auch ein Enkelkind. Der Erziehungsalltag ist mir also mit all seinen beglückenden und manchmal auch anstrengenden Momenten nur zu gut bekannt.“
3. Was sind Ihrer Meinung nach die schlimmsten Fehler, die man in der Erziehung machen kann?
Carola Fabian-Schneider: „Die gröbsten Fehler sind natürlich Vernachlässigung und Misshandlung des Kindes. Aber auch Überforderung der Kinder oder der Eltern durch die Erziehungsaufgabe oder Inkonsequenz in der Erziehung können zu Defiziten in der kindlichen Entwicklung führen. Grundsätzlich finde ich es "schlimm", wenn ich dieses Wort aufgreifen darf, wenn Eltern und Erzieher nicht fähig oder nicht bereit sind, ihr Erziehungsverhalten zu reflektieren. Und wenn sie bei der Beurteilung von konfliktreichen Situationen nur in der Lage sind, diese aus ihrer eigenen Perspektive zu sehen. Als Erzieher sollte man sich auf jeden Fall immer auch in die Lage des Kindes, in seine Welt und in seine Sicht der Dinge hineinversetzen können. Hierbei hilft – neben der Fähigkeit zur Empathie – das Wissen über die kindliche Entwicklung enorm weiter.“
4. Kann man in der Erziehung überhaupt alles richtig machen?
Carola Fabian-Schneider: „Natürlich nicht. Selbst mit den besten Absichten gelingt es Eltern nicht, alles richtig zu machen. Vor allem in der Ablösungsphase, die sowohl für Eltern als auch für Kinder oft ein schmerzhafter Prozess ist, machen Eltern häufig viele Fehler. Auch Eltern sind ja nur Menschen und genau wie andere Menschen eingebunden in ihre soziale und emotionale Situation. Das Gute aber ist: der ein oder andere Fehler hat keine dauerhaften negativen Auswirkungen, so lange die erzieherische Grundhaltung und die Beziehung zum Kind stimmen. Das heißt: wenn das Verhalten dem Kind gegenüber emotional zugewandt und von Wertschätzung geprägt ist. Auch hierüber gibt der Lehrgang „Kindererziehung“ wichtige Informationen.“
5. Es gibt tausende von Ratgeber-Büchern zum Thema Erziehung oder zu speziellen Erziehungsfragen. Wie unterscheidet sich der Lehrgang „Kindererziehung“ der Hamburger Akademie für Fernstudien von der pädagogischen Ratgeberliteratur?
Carola Fabian-Schneider: „Der Unterschied zwischen einem Ratgeber und dem Lehrgang „Kindererziehung“ besteht vor allem darin, dass bei unserem Lehrgang der direkte und ständige Kontakt zum Studienleiter vorhanden ist. Über die Einsendeaufgaben erhält jede/r Teilnehmer/in ein regelmäßiges Feedback über den individuellen Lernerfolg und – darüber hinaus – auch Hilfestellung bei konkreten Problemen. Zudem ist der Lehrgang systematisch aufgebaut und vermittelt fundiertes pädagogisches und psychologisches Grundwissen, das ein Ratgeber in dieser Form nicht vermitteln kann. Die im Text eingestreuten Übungsaufgaben und Wiederholungsfragen führen dazu, dass der Teilnehmer seinen Wissenserwerb sofort überprüfen kann. Der Teilnehmer wird auch motiviert – durch den didaktischen Aufbau des Kurses, die Möglichkeit des Kontaktes zum Studienleiter und über die Online-Lernplattform, den smartLearn-Campus, auch zu anderen Studienkollegen – sich über einen längeren Zeitraum mit dem Thema zu beschäftigen.“
6. Wer absolviert dieses Fernstudium und welche Ziele verfolgen die Lehrgangsteilnehmerinnen? Sind es die Mütter, die sich mehr Sicherheit bei der Erziehung ihrer eigenen Kinder verschaffen wollen? Oder sind es Frauen, die die gewonnenen Erkenntnisse beruflich nutzen wollen? Haben Sie auch männliche Lehrgangsteilnehmer?
Carola Fabian-Schneider: „Unsere Lehrgangsteilnehmerinnen sind einmal Mütter, die sicherer in der Erziehung ihrer Kinder werden und die sich Wissen über die Entwicklungspsychologie und Erziehung aneignen wollen. Es sind zum anderen auchFrauen, die einen Kinderwunsch haben oder schon schwanger sind und sich auf ihre Aufgabe vorbereiten wollen. Hier bietet der Lehrgang ja auch sehr viel, weil er von der Schwangerschaft über die Säuglingspflege bis hin zur Adoleszenz das ganze Spektrum des Lebens mit einem Kind behandelt. Eine dritte Gruppe bilden die Frauen, die beruflich mit Kindern arbeiten: als Erzieherin, Kinderpflegerin oder Tagesmutter. Und – vielleicht überrascht Sie das – wir haben auch männliche Lehrgangsteilnehmer. Prozentual gesehen ist der Anteil der Männer noch relativ gering. Aber es werden zum Glück immer mehr. Unsere männlichen Teilnehmer sind hauptsächlich Väter, die in der Erziehung bewusst Verantwortung übernehmen wollen, und sich das dafür notwendige Grundwissen aneignen möchten.“
7. Kindererziehung ist trotz alledem nach wie vor noch Frauensache. Welche Rolle spielen die Väter in der Erziehung? Und welche sollten sie spielen?
Carola Fabian-Schneider: „Die Väter spielen in der Erziehung natürlich eine wichtige Rolle. In den ersten 3 Jahren des Kindes ist zwar nach wie vor meist die Mutter die Hauptbezugsperson, aber dann werden die Väter sehr wichtig. Frauen haben eher die Fähigkeit, eine "symbiotische" Beziehung zu dem Kind herzustellen, wie es der Säugling und das Kleinkind noch brauchen. Mit symbiotisch ist gemeint, zu spüren, was ein Kind braucht, welche Gefühle vorhanden sind und sich auf das Kind einstellen zu können. Mütter neigen meist mehr zur Nachsicht, Väter geben Strukturen und setzen Grenzen. Beides ist wichtig. Mit einem Säugling können die meisten Männer nicht viel anfangen. Sie interessieren sich eher für das Kind, wenn es sprechen und laufen kann. Für „wilde“ Aktivitäten wie Fußballspielen, Raufen, Abenteuer erleben etc. sind in der Regel mehr die Väter zuständig. Gerade bei männlichen Kindern werden die Väter mit zunehmendem Alter immer wichtiger. Sie spielen ja auch eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung der geschlechtlichen Identität des Kindes.“
8. Wer kann Ihrer Meinung nach von dem Lehrgang „Kindererziehung“ der Hamburger Akademie für Fernstudien profitieren?
Carola Fabian-Schneider: „Jeder, der irgendwie mit Kindern zu tun hat, kann von dem vermittelten Wissen profitieren. Eltern genauso wie Erzieher, Tagesmütter oder auch Großeltern. Auch wer sich „nur“ theoretisch für Pädagogik, Entwicklungs- oder Kinderpsychologie interessiert, kann von den im Fernstudium gewonnenen Erkenntnissen profitieren.“
9. Zum Schluss die Gretchenfrage: Kann man Erziehung überhaupt lernen?
Carola Fabian-Schneider: „Eindeutig ja! Ich gehe davon aus, dass der Mensch ein lernfähiges Wesen ist, also kann er auch lernen, wie man Kinder richtig erzieht. Erziehung ist ja keine Zauberei oder Magie. Wer über grundlegende Tatsachen in der motorischen, sprachlichen, geistigen und psychischen Entwicklung des Kindes Bescheid weiß, kann kindliches Verhalten besser einordnen, bewerten und dann auch richtig und angemessen darauf reagieren. Wie bei allen anderen Fertigkeiten gilt auch hier: manche Menschen lernen etwas schneller, andere langsamer, kommen aber auch zum Ziel. Wir alle sind selbst irgendwie "erzogen" worden, dies ist unsere erste Lernerfahrung mit dem Thema Erziehung. Vielleicht führt die Reflexion über das Verhalten unserer Eltern/Erzieher dazu, dass wir es anders und besser machen wollen. Gerade das macht uns ja erst zu den Erwachsenen, die Verantwortung für Kinder übernehmen können. Auch bei diesem Reflexionsprozess ist der Fernlehrgang „Kindererziehung“ sehr hilfreich.“
Frau Fabian-Schneider, herzlichen Dank für dieses Gespräch.
Das Interview führte Doris Würfel für die Hamburger Akademie für Fernstudien am 21.02.2008.
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